Einmal quer durch die Eifel

69 MAL

Einmal quer durch die Eifel oder auch:
In 4 Tagen von Bedburg nach Trier

1. Idee

Die Idee, einmal die komplette Eifel zu durchlaufen, entstand bereits vor vielen Jahren. Sie basiert auf der Liebe zu dieser Landschaft und der Begeisterung für den Laufsport.
Als altgedienter Langläufer ( seit 1983 ) und durch viele Marathon und Ultramarathonläufe ( insgesamt mehr als 50 ) geschult, konkretesierte sich diese Idee, als nach dem Erreichen des 50.Lebensjahres nicht mehr die Zeit und die sportliche Leistung im Vordergrund stand, sondern das Laufen an sich und das Aufnehmen von Eindrücken jeglicher Art mehr und mehr an Bedeutung gewann.

Der Schritt von einem langen Tageslauf wie zum Beispiel:

– Dem Lauf von der Erftquelle bei Blankenheim nach Bedburg ( 78 km, selber
organisiert )
– Dem Lauf von Bedburg zur Erftmündung bei Neuss und zurück ( 62km, selber
organisiert ) oder auch
– Dem Lauf auf den Höhen des Thüringer Waldes = Rennsteiglauf ( 72,4km )

hin zu einem Mehrtageslauf war dann nicht mehr weit.

2. Motivation

Die Frage nach seiner Motivation die höchsten Berge der Welt zu besteigen, beantwortete Reinhold Messner folgendermaßen: „ Weil sie ( die Berge ) da sind“.Dieser Aussage ist nichts hinzuzufügen.
Wenn man das Laufen für sich entdeckt hat, läuft man. Punkt „Warum, wohin, wozu“ diese Fragen stellen sich einem dann nicht mehr.
Laufen bedeutet Lebenslust, Lebensqualität, Lebensintensität . Wenn man also „süchtig“ nach Lebensqualität und Lebensintensität ist ( und wer ist das nicht ? ) dann ist die Bezeichnung „ laufsüchtig „ zu akzeptieren.
Diese „Sucht“ ist ein nicht zu überbietender Motivator !

3. Wahl des Laufpartners bzw der Partner

Wenn sich die Idee eines Mehrtageslaufes konkretisiert hat, kommt automatisch die Frage auf einen zu: Laufe ich alleine oder laufe ich mit einem oder einigen anderen Gleichgesinnten ? Wählt man die zweite Möglichkeit,
stellen sich sofort neue Fragen:
– Liegt der Partner ( oder die Partner ) in etwa auf gleichem Leistungsniveau ?
– Stimmt die Chemie ?
– Folgt der Partner ( die Partner ) der ausgearbeiteten Idee ?

Im vorliegenden Fall stellten sich diese Fragen nicht. Durch diverse gemeinsame Erfahrungen in den letzten Monaten, gab es von Beginn an keinen Zweifel an der Wahl des Laufpartners. Mit Jörg Süßmann war der ideale Partner gefunden. Die Richtigkeit dieser Entscheidung wurde in den vier Tagen mehr als bestätigt.

4. Streckenverlauf

Nun kann man die Eifel auf vielen Wegen und Richtungen durchlaufen. Aber wenn man die diversen klassischen Eifelgebiete durchqueren möchte, bietet sich von Bedburg aus der Weg nach Trier geradezu an. Voreifel ( Ville ) bis kurz nach Rheinbach, dahinter dann die Nordeifel mit dem Ahrtal, dann hoch dem höchsten Berg der Eifel, der Hohen Acht, entgegen. Von dort zum weltbekannten Nürburgring.
Und dann selbstverständlich in Richtung Daun, in die sogenannte Vulkaneifel,dem Herz der Eifel. Die drei traumhaft schön gelegenen Maare dort charakterisieren den Ursprung dieses Mittelgebirges.
Nach den Maaren dann die Südeifel, zuerst noch sehr stark gebirgig und doch bald schon sanft abfallend Richtung Moseltal.

5. Sportliche Vorbereitung

Für einen solchen Mehrtageslauf ist für einen aktiven Langläufer keine besondere Vorbereitung notwendig. Natürlich macht es Sinn, die letzten Wochen vor einer solchen Herausforderung ein wenig das Bergauf und Bergablaufen mit ins Programm zu nehmen. Auch ruhigeres längeres Laufen kommt der Sache entgegen. Aber das eigentlich Wichtige sollte im Kopf geschehen. Die mentale Auseinandersetzung mit der Sache ist der wichtigste Punkt.
Richtige Ernährung bzw eine allgemein gesunde Lebensführung sind Voraussetzungen für eine solche Aktivität. Aber das sind für passionierte Läufer eh Selbstverständlichkeiten und bedürfen keiner besonderen Erwähnung.

6. Organisation des Laufes

Da es nach aktuellem Wissensstand zur Zeit keinen organisierten Lauf quer durch die Eifel gibt, musste die Organisation selber übernommen werden. Da bereits in den letzten Jahren diverse längere Läufe ( siehe oben ) selber organisiert und durchgeführt wurden ( mit tatkräftiger Unterstützung von Herrn Jan de Boer aus Bedburg ), lagen Erfahrungen auf diesem Gebiet vor.
Im konkreten Fall führte der Weg zum Eifelverein nach Düren, dort wurden alle benötigten Informationen und alles benötigte Kartenmaterial besorgt. Die Planung erfolgte dann im stillen Kämmerlein.
Der genaue Streckenverlauf wurde festgelegt. Die Länge der einzelnen Tagestouren wurde überlegt. Übernachtungsmöglichkeiten am Ende dieser Tagesrouten wurden gesucht ( sie sollten möglichst natürlich direkt an der Strecke liegen ),
Das Problem des Gepäcktransportes musste gelöst werden
Der Zeitpunkt der Veranstaltung musste gewählt werden.
Und zuletzt mussten unter Umständen notwendige Hilfsmaßnahmen abgeklärt sein.

Und ganz zuletzt sollte natürlich auch der Rücktransport von Trier nach Bedburg gesichert sein.

7. Vorbereitung für die einzelnen Tagestouren

Je nach Wettervorhersage wählt man die entsprechende Laufbekleidung aus.
In den Rücksack gehören dann nur noch wirklich wichtige Dinge:
– das richtige Getränk in ausreichender Menge
– gut verträgliche und energiereiche Nahrungsmittel
– erste Hilfe Utensilien
– Ersatz T-shirt, Mütze, Regenschutz und als allerwichtigstes
– Genaues Kartenmaterial von der zu bewältigen Tagesstrecke

8. 4 Tagesberichte:

Montag, 21.July 2008 ( Bedburg nach Buschhoven = 60km )

Die Wettervorhersage spricht von durchwachsenem Wetter,was nichts anderes heißt als das man auf alles vorbereitet sein muß.
Um kurz vor 09:00 ist Start. Kurzer Abschied ( wie immer ) von Roswitha, Josh und Jim, dann geht es runter zu Jörg. Der steht bereit, ein 1. Foto wird gemacht und wir beide beginnen unsere Reise.
Von Kaster geht es nach Bedburg, weiter an der Erft entlang nach Zieverich. Am Anglerpark verlassen wir kurz die Erft um sie in Kenten wieder zu treffen. Nun begleitet uns die Erft über Stunden. Noch ist es trocken. Bei Gymnich machen wir eine ausgiebige Pause.
Von Gymnich geht es weiter an der Erft Richtung Bliesheim, wo wir die Erft verlassen.
Hier bei Bliesheim stoßen wir nun hier auf den sogenannten Karl-Kaufmann-Weg, der von Brühl nach Trier führt. Der Karl-Kaufmann-Weg ist einer von diversen Hauptwanderwegen durch die Eifel, ausgearbeitet und gepflegt von Mitgliedern des Eifelvereins. ( bezeichnet ist er nach dem langjährigen Vorsitzenden des Eifelvereins, Herrn Karl-Leopold Kaufmann )
Da wir uns noch in der Voreifel, der sogenannten Ville, befinden, sind die zu bewältigenden Anstiege leicht zu schaffen. Um Kräfte zu schonen, werden allerdings auch diese bereits im Schritt genommen.
Von Bliesheim ( hier holt uns nun doch der Regen ein und wir müssen zeitweise Schutz in einer offen stehenden Garage nehmen ) führt uns der Weg am Swissbach entlang über Heimerzheim nach Buschhoven.
Hier endet die erste Tagestour nach 60 Kilometern. Unser privates Taxi steht bereit um uns für die erste Nacht nach Hause zu fahren. Die nassen Laufsachen werden kurz gegen trockene Bekleidung ausgetauscht ( ganz wichtig ), dann geht es in 30 Minuten nach Hause.
Fazit der ersten Tages:
Noch hat alles gut gegangen. Bis auf die Wetterkapriolen war alles soweit in Ordnung. Etwas müde Beine, aber das war ja so zu erwarten.

Dienstag, 22.July 2008 ( Buschhoven nach Nürburg = 60km )

Nach einem erholsamen langen Bad und einem energiereichen Essen am Montagabend, war der Schlaf tief und fest.
Der Dienstag beginnt früher als erwartet. Der erste Blick gilt dem Wetter. Kein Regen ! Nach Frühstück und Beendigung der Vorbereitungen, bringt uns unser privater Taxidienst wieder zurück nach Buschhoven.
Es ist wieder 09:00 als es losgeht. Wieder ein Foto, dann geht es bei kühlen 12’C auf einer kleinen Landstraße Richtung Rheinbach.
Das Zeichen vom Karl-Kaufmann-Weg leitet uns ( große Hilfe, da das mit der Kartenleserei nicht immer 100%ig klappt ), das Zeichen leitet uns auch durch Rheinbach ( wir wussten nicht wie malerisch Rheinbach ist ) und bringt uns hinter Rheinbach auch auf den richtigen Pfad Richtung der Burgruine Tomburg. Um diese herum geht es nun nach Süden, die Anstiege werden schon stärker, das Ahrtal bei Kreuzberg/Altenahr wird angepeilt.
Auf gut gezeichneten und gut belaufbaren Wanderwegen, bei fast idealen Laufwetterbedingungen ( kühl, kaum Wind, noch trocken ), geht es zügig voran. Die anfänglich noch „schweren Beine“ sind verschwunden; entgegen befürchteten Problemen, läuft es wirklich gut.
Bei Kreuzberg geht es runter ins Tal der Ahr. Dort angekommen laufen wir ein Stück mit der Ahr Richtung Altenahr um sie nach wenigen hundert Meter allerdings wieder zu verlassen. Wir wenden uns nach Süden Richtung Ahrbrück.
Eine erste kurze Pause dient zur Stärkung von Leib und Seele.
Kurz nach Verlassen der Ahr steht uns dann die erste Härteprüfung bevor. Bei der Tour der France würde man von Bergkategorie 1A sprechen. Himmel, geht das steil hoch. Natürlich ist Laufen nicht möglich, auch zügig gehen ist nicht mehr, nein wir legen die Hände auf die Oberschenkel und schreiten ruhig, gleichmäßig und mit hohem Kraftaufwand Meter für Meter hoch. Innerhalb von einer halben Stunde haben wir einen Höhenunterschied von mehreren hundert Meter zu bewältigen. Ja, jetzt sind wir angekommen, jetzt sind wir wirklich in der Eifel. Dann, und erstmals rinnt uns der Schweiß in Strömen von der Stirn, haben wir den Berg erklommen. Ein kleiner Tempel überredet uns zu einer Verschnaufpause.
Noch einen Blick von oben hinab ins Ahrtal, dann haben wir die erste Prüfung bestanden. Langsam versuchen wir wieder in einen Laufrhytmus zu kommen.Aber der Weg ist nun matschig, teils sehr steinig; schwierige Streckenverhätnisse; wir müssen hochkonzentriert sein um keinen Sturz zu riskieren. Nach einigen Kilometern geht es dann steil bergab, runter nach Ahrbrück. Dort nehmen wir die Möglichkeit wahr, eine aufbauende Cola zu trinken ( Zucker und Koffein ) und unsere Getränkevorräte aufzufüllen. Noch einmal tief durchatmen, dann verlassen wir Ahrbrück und wenden uns der zweiten großen Herausforderung des Tages zu. Es geht aufwärts, dem „Teufelsley“ entgegen.
Die Anstiege werden länger und stärker,es geht nun immer weiter bergauf; kein Wunder, wir laufen schließlich auf die „ Hohe Acht“ zu, dem höchsten Berg der Eifel. ( 747m ) Aber das Wetter beruhigt sich, kein Regen , leicht steigende Temperaturen.
Wir spüren, wie wir müde werden. Wir legen zusätzliche Gehintervalle ein, auch wo es nicht gerade bergauf geht. Die Landschaft an der Hohen Acht ist grandios. Sind wir wirklich „nur“ in der Eifel ? Jetzt wo das Wetter sich zum Guten gewendet hat, jetzt tut das Licht des Spätnachmittags das seinige dazu. Wir können uns nicht sattsehen, nicht sattriechen. Es tut uns gut, wir erholen uns wieder etwas. Und nachdem wir die Hohe Acht passiert haben ( mit Kaiser-Wilhelm-Turm ) geht es ja auch zumeist bergab unserem Ziel Nürburg entgegen.
Und dann erleben wir ein Kontrastprogramm pur. Wir laufen tatsächlich in einem wunderbaren Waldstück, aber neben uns jagen Motorräder und Automobile jeglicher Art in atemberaubenden Tempo vorbei. Ja, wir laufen tatsächlich über mehrere Kilometer parallel zum berühmten Nürburgring und dort sind Freizeitpiloten dabei ihre Rundenzeiten zu verbessern. Verrückt, irrational aber real.
Den Wald verlassend, immer noch die Geräusche vom „Ring“ hörend, legen wir die letzten 3 Kilometer dieser 2. Tagestour auf der Straße nach Nürburg zurück. Unser heutiges Domizil ( Pension der Familie Merten ) liegt doch tatsächlich am Fuß der Nürburg. Traumhaft. Und ein guter „Italiener“ wartet auf uns nur 50 Meter weiter.
Nach dem Abendessen fallen wir schnell in einen tiefen erholsamen Schlaf. Der nächste Tag wartet. Es soll unser Erholungstag werden !
Fazit des zweiten Tages:
Was für ein Tag ! Was für ein Leben !

Mittwoch, 23.07.2008 ( Nürburg nach Manderscheid = 45km )

Ein Superfrühstück bei Frau Merten baut uns am Morgen auf. Das Wetter hat sich nun tatsächlich stabilisiert; um 09:00 Uhr, beim Start, scheint die Sonne, kleine weiße Wolken sorgen für „Fotographierwetter“. Noch ein Foto von uns. Dann geht es los, Blick auf die Nürburg, weg vom Nürburgring, hin nach Manderscheid.
Auf noch zuerst gut zu laufenden Wanderwegen geht es nach Daun. Leider sind die grasbewachsenen Wanderwege, die dann eine zeitlang folgen, zwar gut für Wanderschuhe aus festem Leder, aber weniger gut für luftdurchlässige leichte Laufschuhe. Trotz Imprägnierung nehmen sie den am Gras anhaftenden Morgentau auf und schon nach wenigen Minuten spürt man eine steigende Feuchtigkeit im Schuh und am Fuß. Das erhöht die Gefahr der Blasenbildung und des Wundlaufens. Aber auch das überstehen wir und im Laufe der nächsten Stunden trocknet der Schuh samt Inhalt auch wieder aus.Jetzt einmal in der Hocheifel angekommen, sind die Auf und Abstiege nicht mehr so steil und wir können laufend doch eine Menge Kilometer bewältigen. Die Landschaft um uns herum und das Licht des sonnigen und doch nicht zu warmen Tages läßt uns frohlocken. Wir denken nicht mehr darüber nach, dass wir nun schon den dritten Tag laufen. Wir fühlen uns frei und stark. Aber wir müssen aufpassen, nicht zu euphorisch zu werden. Noch liegt eine lange und schwere Wegstrecke vor uns. Und schon ist es passiert. Wir haben wieder nicht aufgepasst und uns schon wieder verlaufen. Unser Zeichen ( besser gesagt das des Karl-Kaufmann-Weges ) fehlt auf einmal. Mist ! Wann haben wir es das letzte mal gesehen ? Karte ! Wo sind wir, wann und wo haben wir einen Fehler gemacht. Analyse, Zweifel ! Mist, wir haben keine Kraft zu verschenken. Konzentration ! Es nützt alles nichts. Wir müssen zurück, solange zurück, bis wir unseren Weg, unser Zeichen, wieder gefunden haben. Mit Wut über uns selber im Bauch machen wir uns auf den Rückweg. Erst als wir uns wieder auf rechtem Weg befinden, läßt die Wut nach und weicht neuen freudigen Eindrücken. Das passiert uns nicht nochmal. Das soll uns eine Lehre sein….Von wegen !!!
Nun geht es runter nach Daun. Das tut gut, auch wenn Runterlaufen in die Gelenke geht. Aber man braucht soooooooviel weniger Kraft.
Leider ist der Weg durch Daun nicht so gut beschildert und es dauert eine Zeit, bis wir auf der anderen Seite des Tales, in dem Daun liegt, den Aufstieg zu den 3 Maaren finden ( Gemünder Maar, Weinfelder bzw Totenmaar und Schalkenmehrer Maar ) Klar, der Aufstieg zu einem Kraterrand ist nirgendwo in der Welt sanft und gnädig, er ist immer steil und böse. Warum sollte es hier also anders sein. Aber Gott sei Dank sind die Anstiege nicht alzu lang und bald schon werden wir mit einem wunderbaren Blick auf die Maare entschädigt. An einer Stelle ( sinnigerweise „ Zweimaareblick“ genannt ) kann man tatsächlich auf der einen Seite aufs Totenmaar und auf der anderen Seite aufs Schalkenmehrer Maar schauen.
Ja, hier schlägt das vulkanische Herz der Eifel. Wären wir hier vor etwas 10 bis 12.000 Jahren gelaufen, wären wir mit Sicherheit um einiges schneller gewesen. Die damals noch aktive vulkanische Tätigkeit dieser Region hätte uns Beine gemacht. Aber man weiß heute, dass die Tätigkeit nicht eingestellt ist, sie ruht lediglich; Wir sind gut beraten, diese Region genauestens zu kontrollieren. Soweit ist es nach Bedburg ja nun auch nicht !
Von denen traumhaften Eindrücken an den Maaren gestärkt, machen wir uns auf die letzten 12 bis 13 Kilometer bis Manderscheid.
Und Karl-Kaufmann hat es an diesem Tag wirklich gut gemeint mit uns. Sein Weg führt kurz vor Manderscheid an der berühmten Doppelburg von Manderscheid vorbei. Der Oberburg und der Niederburg.Nur durch das Liesertal müssen wir noch. Der Weg wird zu einem 30 cm breiten Pfad der zuerst steil bergab und dann genauso steil bergauf führt. Aber heute sind uns Flügel gewachsen. Wir bewältigen diese Prüfung mit Bravour und belohnen uns mit einem riesigen Becher Kaffee in einer Eisdiele in Manderscheid. Erst danach laufen wir den letzten Kilometer zu unserem heutigen Domizil, der Heidsmühle unterhalb von Manderscheid.
Unser Erholungstag war tatsächlich ein Erholungstag. Wir haben mehrere Stunden mehr an diesem Tag/Abend um uns zu erholen. Wunderbar. Ein Abendessen mit vielen Vitaminen und Kohlehydraten beschließt den Tag.
Was soll jetzt noch passieren. ¾ des Weges geschafft, keine Verletzung, keine Blase; wir sind uns sicher, unser Ziel am Abend des nächsten Tages zu schaffen. Mit dieser Zuversicht schlafen wir ein.
Fazit des dritten Tages:
Das Leben ist wunderbar. Nichts kann uns nun mehr von unserem Ziel abbringen.

Donnerstag,24.07.2008 ( Manderscheid – Trier = 60km )

Für keinen mehr überraschend, wir erwachen früh, fühlen uns aber gut erholt und bereit für die letzte Herausforderung.
Natürlich geht es um 09:00 los ( der Mensch ist ein Gewohnheitstier ) Wir vergessen, das obligatorische Foto zu machen. Ein böses Omen ?
Der Weg führt direkt von der Heidsmühle aus in das Tal der kleinen Kyll, durch den Horngraben und durch die Teufelsschlucht. Jetzt ist klar, wir sind nicht mehr in der Eifel. Wir wurden heute Nacht davongetragen, in die Schluchten des Balkan. Bei strahlendem Sonnenschein, der hier erfreulicherweise von dichtem Walde von uns abegehalten wird, laufen wir duch dieses wilde Bachtal, ergötzen uns an Anblicken, die wir so wirklich nur aus den Karl-May Filmen kennen. Unser Weg ist zum Teil nur einen halben Meter breit, rechts hoch aufragende Felsen, links fast senkrecht abfallend ins Kyllbachtal. Und das über mehrere Stunden hinweg. Natur in seiner schönsten Form, unverfälscht, bizarr und wunderschön. Man kann nicht genug davon bekommen. Und dann bekommen wir den Preis für unsere Träumerei. Wir vergessen alles um uns herum, vor allen Dingen vergessen wir unsere guten Vorsätze vom Vortag. Und schon haben wir uns wieder verlaufen; aber wie ! Und wir bemerken es erst, als wir einen sehr steilen Weg hoch gegangen sind. Mindestens 20 Minuten umsonst hoch gestiegen; viel Kraft vergeudet, wo wir doch gerade heute, am letzten und schwierigsten Tag ( Streckenführung und Temperatur ) nun wirklich nichts zu vergeuden haben. Für diese Dämlichkeit werden wir heute noch richtig bestraft.
Wir haben lange zu tun, diese unsere Dummheit zu verkraften und wieder auf andere Gedanken zu kommen. Sehr lange. Und entgegen unserer Vermutung erweißt sich die heutige Streckenführung als die mit Abstand schwierigste.
Für eine kleine Ablenkung erweißt sich der Anblick von Kloster Himmelrod. Doch danach geht es weiter, bei nun Temperaturen um die 30’C und immer öfters nun auch mit Abschnitten die der hoch stehenden Sonne frei ausgeliefert sind. Ein Laufen in praller Sonne ist nun am vierten Tag nicht mehr möglich. Wir konzentrieren unser Lauftätigkeit auf Wald bzw Schattengebiete.
Und dann bemerken wir auch noch, dass unsere Getränkevorräte nicht mehr ausreichen um bis zur nächsten größeren Ortschaft zu gelangen. Zwar liegen auf unserer Wegstrecke noch die eine oder andere kleine Ansiedlung, doch ist davon auszugehen, dass dort kein Getränkeverkauf ansässig ist.
Nun am Nachmittag des letzten Tages haben wir einen physischen und psychischen Tiefpunkt erreicht. Noch liegen ca. 25 bis 28 Kilometer vor uns. Aber wenn wir nicht bald trinken und essen, werden wir es nicht schaffen. Selbst ein Durchgehen ist so nicht zu schaffen. Das erste mal auf der Tour sind wir wirklich mutlos. Wir versuchen uns gegenseitig zu unterstützen, uns Mut zu machen ohne dabei dumme Sprüche loszulassen. Jetzt brauchen wir uns tatsächlich gegenseitig. Wir konzentrieren uns auf die nächste Ansiedlung, die uns die Karte zeigt. Wir konzentrieren uns dermaßen, dass wir nicht aufpassen wohin wir gehen. Und schon haben wir uns wieder verlaufen. Und wieder bemerken wir es sehr spät. Jetzt macht sich Panik breit beim erfahrenen langjährigen Läufer und es ist der jüngere, der unerfahrenere der Stärke zeigt. Er übernimmt das Kommando. „ Nein, wir gehen nicht zurück. Wir neben diesen Pfad hier, der führt uns auf kürzerem Weg wieder auf unsere Strecke. Komm Alter, folge mir ! „ Zweifelnd, wütend und mit weiter steigender Panik folgt dieser.
Sind es 10, sind es 20 Minuten später ? Keine Ahnung, die Erinnerung ist nicht mehr vorhanden, aber wir erreichen unseren vorgegebenen Weg an exakt der Stelle, die das Greenhorn vorhergesagt hatte. So spielt das Leben !
Dann nach weiteren vielen Minuten erreichen wir Dierscheid. 40 Häuser, eine kleine Kapelle, sonst nichts. Wir verlieren all unsere Hemmungen. An einer der ersten Häuser wird gekopft, wird um Wasser und später um etwas Essbares gefragt. Ergebnis: nach wenigen Minuten sitzen wir im Kreise einer Großfamilie in der schattigen Garage, man bringt uns Mineralwasser so viel wir wir wollen. Man bietet uns Kuchen und belegt Brötchen an. Auch nach Kaffee wird gefragt. Aber das würde nun doch zu weit führen. Aber belegte Brötchen, Hefeteilchen und Wasser nehmen wir gerne an. Und ob man es glauben will oder nicht, nach einer halben Stunde sind
wir wie umgewandelt. Die Kraft und die Zuversicherheit es zu schaffen sind wieder da. Wir machen uns auf den Weg nach Quint, einem Vorort von Trier.
Und seltsamerweise meint es jetzt auch Karl-Kaufmann gut mit uns. Lange ebene Streckenabschnitte motivieren uns wieder zum Laufen. Auch in der Sonne ( die jetzt am späteren Nachmittag etwas an Kraft verloren hat ). Wir machen Kilometer um Kilometer. Bald ist Quint erreicht. Noch 15 Kilometer bis zur Porta Nigra. Und jetzt geht es kilometerlang auch leicht bergab. Wunderbar. Wir laufen auf Reserve, aber wir laufen.
In Quint entscheiden wir uns, vom Karl-Kaufmann-Weg abzuweichen. Nicht um abzukürzen, nein das geht nicht, aber um nicht wieder bergauf und bergab zu laufen. Wir wählen den Weg durch das Tal der Mosel und laufen auf dem Radweg moselaufwärts Richtung Trier. Ja, wirklich, wir laufen und laufen. Ruhig aber stetig. Dann wenige Kilometer vor Trier, setzt voll die Euphoriephase ein. Es sind erste Endorphine, die jetzt freigesetzt werden und zu seltsamen Erscheinungen führen. ( so werden plötzlich Spurts angezogen über mehrere hundert Meter oder bereits vorbeigelaufene fremde Läufer werden wieder eingeholt und begleitet )
Bevor noch schlimmere Anfälle auftreten erreichen wir die Moselbrücke in Trier, die uns über die Mosel direkt ins Zentrum von Trier und zur Porta Nigra bringt. Hoch zur Brücke wird noch einmal kurz gegangen, dann wird der letzte von 225 Kilometer in Angriff genommen.
Hand in Hand durchlaufen wir am Abend des 4. Tages die Porta Nigra, unser Tor zur Glückseligkeit !!
Wir liegen uns in den Armen, nur kurz, dann muß jeder für sich zuerst einmal alleine sein. Muß versuchen zu begreifen, das es vorbei ist. Das es geschafft ist.
Fazit des vierten Tages
Das war knapp. Das böse Omen vom Morgen war Gott sei Dank doch nicht ganz so böse.
Fazit der gesamten 4 Tage:
Ein Traum ist in Erfüllung gegangen; Aber vielleicht kann man ja mehr als nur einen Traum leben ?

Der Rücktansport funktionierte so gut wie ( fast ) alles an diesen 4 Tagen. Der private Taxidienst ist pünktlich zur Stelle, reicht frische Getränke und Brote ( köstlich ) und kurz nach Mitternacht sind wir alle wieder zu Hause.

PS:
Ein ganz besonderer Dank gilt den beiden Ehefrauen Claudia Süßmann und Roswitha Robertz ( übrigens den besten Ehefrauen der Welt ) die durch ihr Verständnis für unser Tun und durch ihre Hilfe vor, während und nach diesem Lauf dies alles überhaupt erst ermöglicht haben.